11.04.2019

Moderne Kapitalanlagensteuerung in Versicherungen

1. Ausgangssituation und Rahmenbedingungen in der Kapitalanlagensteuerung

Die andauernde Niedrigzinsphase stellt die Versicherungsbranche mit ihrer traditionell eher konservativen Kapitalanlage zunehmend vor Herausforderungen. Um dringend benötigtes Ertragspotenzial in der Kapitalanlage zu heben, ist die Erhöhung der Risikobereitschaft im Portfolio ein zentraler Hebel, der im Markt kontrovers diskutiert wird. Die traditionell rentenlastigen Anlageportfolios der Versicherer werden daher zunehmend für Aktien und Immobilien geöffnet sowie für alternative Assets wie Private Equity und Infrastruktur – Marktführer Allianz Leben weist hier den Weg.

Ferner gilt es im Rahmen der Kapitalanlagesteuerung mehrere Steuerungsperspektiven (klassische HGB-Sicht, regulatorische Sicht (Solvency II), ökonomische Sicht (ORSA) und Liquiditätssicht) und damit verbundene Subprozesse wie ORSA-, Planungs- oder ALM-Prozess miteinander zu harmonisieren und zu synchronisieren.

2. Zentrale Herausforderungen in der Kapitalanlagensteuerung

Die vorhandenen Rahmenbedingungen machen somit eine methodische und organisatorisch robust aufgestellte Kapitalanlagensteuerung unerlässlich. Zentrale konzeptionelle Druckpunkte können nach zeb-Projekterfahrung in folgende Handlungsfelder zusammengefasst werden:

 

  • Organisation: Wie sieht eine ideale organisatorische Verankerung der Kapitalanlage im Sinne einer stringenten Aufbau- und Ablauforganisation innerhalb der Kapitalanlagefunktion aus?
  • Steuerung: Wie ist die Steuerungsmethodik vor dem Hintergrund der beschriebenen Anforderungsperspektiven aufzustellen?
  • IT / Technik: Wie muss eine Daten-/IT-System-Architektur ausgestaltet sein, um Steuerungslogiken effizient und passgenau zu unterstützen?

 

Diese zentralen Herausforderungen mit ihren Teilhandlungsfeldern sind in Abbildung 1 dargestellt.

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Abbildung 1: Handlungsfelder

3. Lösungsansätze

3.1 Organisation

Im Rahmen der in Kapitel 1 skizzierten Rahmenbedingungen sind die Tätigkeiten im Back Office von Versicherern einer Effizienz- und Angemessenheitsprüfung zu unterziehen. Die Zunahme von Komplexität durch alternative Assetklassen, mehrdimensionale Steuerungslogiken und aufsichtliche Meldepflichten stellt vor allem kleinere Häuser regelmäßig vor Kapazitäts- und Know-How-Probleme. In der Folge setzen kleine bis mittelgroße Häuser zunehmend auf ein Outsourcing ihrer Kapitalanlagefunktion (Front- und insbesondere Back-Office) an Drittanbieter. Im Gegensatz dazu bündeln größere Häuser ihre Kapitalanlagefunktionen in eigenen Investment-Gesellschaften und bieten Asset Management-Leistungen für Dritte an (Insourcing).

zeb bringt breite Projekterfahrung für beide strategischen Entscheidungswege mit und unterstützt im Bereich Out- und Insourcing von Kapitalanlage-Leistungen beispielsweise bei der Definition des Auslagerungsspektrums, Evaluation und Auswahl von möglichen Outsourcing-Partnern sowie Vereinbarung von angemessenen Service Level Agreements.

3.2 Steuerung

Die Kapitalanlagesteuerung besitzt durch seine Interdependenz mit den Bereichen Steuerung und Risikomanagement, Planung und Strategie sowie Asset-Liability-Management mitunter eine hohe methodische Komplexität – im Folgenden wird vertiefend auf drei zentrale Teilhandlungsfelder eingegangen:

 

Performance Steuerung

Die aktuell vielfach auf HGB-Kennzahlen ausgerichtete Performance-Steuerung kann durch die Integration einer ökonomischen und einer regulatorischen Steuerungsdimension zu einer modernen Steuerungslogik erweitert werden. Im Zuge dieser Erweiterung kann die klare Fokussierung auf wenige zentrale Steuerungsgrößen verbessert werden, indem die Steuerung stringent auf 3-5 Kennzahlen aus allen drei Steuerungsdimensionen ausgerichtet wird. Durch eine Straffung und grafische Aufwertung der zuweilen unübersichtlichen Management-Reports ist in der Folge die aktuelle Positionierung in der Kapitalanlage für Führungskräfte im Bereich der Kapitalanlage deutlich bewertbar.

Durch die langjährige Projekterfahrung bei Versicherungen und Banken unterschiedlicher Größe bietet zeb maßgeschneiderte Überarbeitungen der Performance-Steuerung an. Ausgehend von der Definition relevanter Steuerungskennzahlen unterstützt zeb beim Aufbau eines zweckmäßigen, digitalen Management-Reports von der fachlichen Konzeption bis hin zur technischen Umsetzung.

 

Strategische und taktische Asset Allocation

Die strategische Asset Allocation und darauf aufbauend die taktische Asset Allocation werden aktuell bei vielen Versicherungen mit rein ökonomischen Modellen für einen 1-Jahres-Zeitraum erstellt. Die Berücksichtigung weiterer Restriktionen, z.B. Risikotragfähigkeit oder geforderte Mindestverzinsung, werden dabei im Nachgang im Rahmen eines Backtests analysiert. Zudem erfolgt die Ableitung dieser Allokationen häufig ohne ausreichende Einbindung des Front Office.

Für die Ableitung einer mehrjährigen strategischen Asset Allocation ist daher ein Zielbild zu erarbeiten, welches alle drei Steuerungsdimensionen (handelsrechtlich, ökonomisch, regulatorisch) in geeigneter Weise verknüpft und dabei die Expertise des Front Office explizit einbindet. Für die Kalibrierung des Optimierungsmodells sind zudem langfristig ausgerichtete Erwartungen hinsichtlich Rendite- und Risikoparameter zu verwenden. Dieser Lösungsansatz verspricht ein konsistentes Management der Kapitalanlage unter Einbindung aller Beteiligten. Eine prüfungssichere Dokumentation stellt die notwendige Transparenz sicher.

zeb begleitet diesen Lösungsansatz durch die Kombination von langjähriger Projekterfahrung im Bereich Asset Management mit tiefen Kenntnissen der Versicherungsbranche.

 

Asset-Liability-Management

Derzeit sind die regulatorisch geforderten ALM-Verfahren und -Prozesse bei allen Versicherern installiert. Nach ersten Prüfungen sieht die Aufsicht hier jedoch teilweise ausgeprägten Handlungsbedarf. Die ALM-gestützte Unternehmenssteuerung gewinnt aufgrund der strengeren Prüfungen durch die Aufsicht, aber auch auf Grund des aktuellen Niedrigzinsumfeldes insbesondere bei Lebensversicherungen, weiter an Bedeutung.

Ausgehend von der Weiterentwicklung des ALM-Zielbildes stehen daher die methodisch konsistente Entwicklung eines Gesamtrahmes mit Blick auf relevante Steuerungskennzahlen, aber auch die Gestaltung der Ablauf- und Aufbauorganisation sowie die technische Unterstützung im Fokus.

Im Rahmen der ALM-Studie aus dem Jahr 2017 konnte zeb bereits den aktuellen Umsetzungsstand und die vorhandenen Handlungsfelder im Branchenvergleich identifizieren. zeb unterstützt den Ausbau eines zukunftsgerichteten ALM mit praktischer Erfahrung und einem konkreten Blick auf Herausforderungen und Branchenstandards.

3.3 IT / Technik

Mehrdimensionale Steuerungslogiken innerhalb der Kapitalanlage stellen heutzutage hohe Anforderungen an oftmals veraltete und unstrukturierte Datensysteme. Vielfach erfolgt die aktuelle Datenbewirtschaftung dezentral und mit hohen manuellen Prozessanteilen in Form von Importen und Exporten auf Excel-Basis, welche schlechte Datenqualität begünstigt.

Als kritischer Erfolgsfaktor für eine konsistente Steuerung bündeln Häuser mit „state-of-the-art“-Systemen Kapitalanlage-Daten für alle relevanten Management-Dimensionen (HGB, ökonomisch, regulatorisch) aus internen und externen Quellen in einem zentralen Daten-Pool („single point of truth“).

Als Anbieter ganzheitlicher Lösungsansätze unterstützt zeb beim Aufbau von effizienten Data-Management-Systemen von der Formulierung fachlicher Anforderungen über technische Konzeption der Datenarchitektur bis zum Testing und Go Live.

4. Fazit

Angesichts des anhaltenden Niedrigzinsniveaus und der steigenden Komplexität stehen aktuelle Vorgehensweisen im Bereich Kapitalanlagensteuerung zunehmend auf dem Prüfstand. Im Rahmen einer zukunftsfesten Kapitalanlagefunktion sind neben dem vermeintlich offensichtlichen Bedarf an Verbesserungspotential im Bereich Methoden und Steuerung insbesondere auch Potentiale im Bereich Organisation sowie IT und Technik explizit zu heben.

zeb unterstützt hierbei mit ganzheitlichen Lösungsansätzen von der Konzeption bis zur Umsetzung unter Beachtung unternehmensspezifischer Anforderungen und Gegebenheiten.