19.01.2018

Neue QRTs zur Variation Analysis


Mit der Jahresmeldung für den Stichtag 31.12.2016 wurde erstmals das QRT-Set einer regulären Jahresmeldung an die Aufsichtsbehörden gemeldet. Mit der kommenden Jahresmeldung für den Stichtag 31.12.2017 kommen nun noch die vier QRTs S.29.01 bis S.29.04 erstmalig hinzu.[1] In der sog. Veränderungsanalyse (Variation Analysis) soll die Veränderung der Eigenmittel erklärt werden, indem die verschiedenen Quellen der Veränderung genauer analysiert werden.


Die zugrunde liegende Grundsystematik dieser Veränderungen wird in Abbildung 1 dargestellt. Die Veränderung des Überschusses der Vermögenswerte über die Verbindlichkeiten (Excess of Assets over Liabilities, EoAoL) vom Vorjahresstichtag (N-1) zum aktuellen Meldestichtag (N) ergibt sich durch die Wertänderungen der Aktiva und der Verbindlichkeiten. In den QRTs S.29.01 bis S.29.04 müssen Solo-Gesellschaften der Aufsicht gegenüber Details dieser Wertänderungen darstellen.


Abb.1: Grundsystematik der Veränderungsanalyse

Abb. 1: Grundsystematik der Veränderungsanalyse


S.29.01: Überschuss der Vermögenswerte über die Verbindlichkeiten

Im ersten Abschnitt des QRTs werden die Veränderungen der einzelnen Komponenten der Basiseigenmittel dargestellt. Die dafür benötigten Daten stammen vollständig aus S.23.01.


Daran schließt sich eine genauere Analyse der Änderungen der Ausgleichsrücklage (Reconciliation Reserve) an, die ebenfalls auf Daten von QRT S.23.01 beruht.


Schließlich wird die Veränderung des EoAoL in verschiedene Quellen zerlegt:

  • Veränderungen im Zusammenhang mit Investitionen und finanziellen Verbindlichkeiten. Diese Größe wird in S.29.02 hergeleitet.
  • Veränderungen im Zusammenhang mit versicherungstechnischen Rückstellungen, die sich aus Berechnungen in S.29.03 ergeben.
  • Veränderungen der „reinen“ Kapitalbestandteile, die bereits in S.23.03 genauer betrachtet werden.
  • Veränderungen der latenten Steuern
  • Ertragsteuern im Berichtszeitraum
  • Dividendenausschüttungen
  • Sammelposition für alle sonstigen Änderungen


Die Summe über diese Positionen (R0190 bis R0250) ergibt die Veränderung des EoAoL. Es gilt also, dass alle Positionen, die die Veränderung erhöhen, positiv berichtet werden und umgekehrt negative Werte eine Reduzierung der Veränderung bedeuten.


Hinsichtlich der Sammelposition in R0250 sollte darauf geachtet werden, dass der eingetragene Wert plausibel erklärt werden kann, um eventuellen Rückfragen der Aufsicht begegnen zu können.


S.29.02: Überschuss der Vermögenswerte über die Verbindlichkeiten – begründet durch Investitionen und finanzielle Verbindlichkeiten

In diesem QRT wird der Teil der Änderung des EoAoL erläutert, der aus Investments und Finanzverbindlichkeiten resultiert. Dabei werden allerdings keine Zu- und Verkäufe von Wertpapieren betrachtet, sondern ausschließlich deren Bewertungsänderungen sowie die Erträge und Aufwendungen, die in den Anwendungsbereich dieses QRTs fallen.


Die Anlageerträge umfassen Dividenden, Zinsen, Mieten und sonstige Erträge und ähneln damit den Informationen, die in granularer Form bereits in S.09.01 gemeldet werden. Allerdings sind in S.29.02 Erträge aus eigenen Anteilen eingeschlossen, Erträge aus fonds- und indexgebundenen Verträgen dürfen dagegen nicht enthalten sein.


S.29.03: Überschuss der Vermögenswerte über die Verbindlichkeiten – begründet durch versicherungstechnische Rückstellungen

Das QRT verlangt eine Aufschlüsselung der Veränderung des besten Schätzwerts getrennt für Leben bzw. Schaden und entweder auf Basis eines Zeichnungs- oder Schadenjahres. Von der dargestellten Reihenfolge im QRT kann bei der Durchführung der eigentlichen Berechnungsschritte abgewichen werden. Es muss allerdings sichergestellt werden, dass der Zellinhalt den eigentlichen Zweck bzw. die zugrunde liegende Definition widerspiegelt. Die Aufschlüsselung ähnelt dem Vorgehen bei der Value-Added-Analyse des Embedded Value und wird im Folgenden für den Fall des Zeichnungsjahrs kurz erläutert:
 

  • Bester Schätzwert – Anfangswert: Der beste Schätzwert ist dabei ohne Abzug der Rückversicherung anzugeben, enthält weder Risikomarge noch die als Ganzes berechneten versicherungstechnischen Rückstellungen und auch das Rückstellungstransitional wird nicht berücksichtigt.
  • Außergewöhnliche Elemente, die einen Neuansatz des Anfangswerts des besten Schätzwerts auslösen: Im Lebensversicherungsgeschäft muss hier der Effekt eines ggf. durchgeführten Modellwechsels angegeben werden.
  • Änderungen beim Umfang: Die Wertänderung durch Zu- oder Verkäufe von Versicherungsportfolien ist an dieser Stelle auszuweisen.
  • Änderung bei Fremdwährungen: Dies betrifft Versicherungsverträge, die in Fremdwährungen abgeschlossen wurden.
  • Bester Schätzwert für das während des Zeitraums übernommene Risiko: In dieser Position wird der Wert des Neugeschäfts zum Schlussdatum betrachtet.
  • Veränderung des besten Schätzwerts aufgrund der Aufzinsung – vor dem Zeitraum übernommene Risiken: In diesem Schritt wird der beste Schätzwert des Jahres N-1 um ein Jahr aufgezinst.
  • Veränderung des besten Schätzwerts aufgrund der projizierten Zu- und Abflüsse im Jahr N – vor dem Zeitraum übernommene Risiken: Hier wird der Wegfall der Zahlungsströme, deren Fälligkeit im Laufe des vergangenen Jahres im Anfangswert des besten Schätzwerts prognostiziert wurden, ausgewiesen. Zusammen mit dem vorangegangenen Schritt der Aufzinsung ergibt sich der sog. Roll-Forward.
  • Veränderung des besten Schätzwerts aufgrund der Erfahrung – vor dem Zeitraum übernommene Risiken: Hier wird die Differenz zwischen den tatsächlichen und den planmäßig fortgeschriebenen Zahlungsströmen des vergangenen Jahres dargestellt.
  • Veränderung des besten Schätzwerts aufgrund geänderter nichtwirtschaftlicher Annahmen – vor dem Zeitraum übernommene Risiken: Hierunter können z.B. Wertänderungen erfasst werden, die aus Änderungen der Stornoraten oder biometrischer Rechnungsgrundlagen resultieren.
  • Veränderung des besten Schätzwerts aufgrund von Änderungen des wirtschaftlichen Umfelds – vor dem Zeitraum übernommene Risiken: Die Auswirkung von Änderungen im ökonomischen Umfeld betrifft z.B. finanzielle Annahmen in der Modellierung (Managementregeln) und die neuen Zinsstrukturkurven.
  • Sonstige, nicht anderer Stelle erläuterte Änderungen: In dieser Sammelposition werden alle restlichen Änderungen erfasst, die keiner der zuvor genannten Positionen zugeordnet werden können.
  • Bester Schätzwert – Schlusswert


Für den besten Schätzwert für einforderbare Beträge aus Rückversicherung sind nur Anfangs- und Endwert anzugeben.


Unterhalb dieser Angaben zu den besten Schätzwerten finden sich weitere Datenfelder, u.a. zu den versicherungstechnischen Zahlungsströmen, die sich größtenteils über Validierungsregeln der XBRL-Taxonomie aus den Daten des letzten QRTs S.29.04 ableiten lassen.


S.29.04: Genaue Aufstellung nach Zeiträumen – versicherungstechnische Zahlungsströme versus versicherungstechnische Rückstellungen

Das QRT liefert Informationen, die in aggregierter Form bereits in S.29.03 enthalten sind. Hier müssen jedoch die Veränderungen der Rückstellungen sowie die versicherungstechnischen Zahlungsströme auf Geschäftsbereiche heruntergebrochen werden. Geschäftsbereiche schließen dabei sowohl das selbst abgeschlossene Geschäft als auch das in Rückdeckung übernommene proportionale Geschäft mit ein. Für den Bereich der Lebensversicherung ist zu beachten, dass nur zwischen „Life“ und „Health SLT“ unterschieden wird.


Zusätzlich zur Differenzierung nach Geschäftsbereichen müssen die Daten auch nach dem Zeitraum ihres Entstehens aufgeschlüsselt werden. Für Produkte auf Zeichnungsjahrsbasis wird zwischen „vor dem Zeitraum“ und „während des Zeitraums“ übernommenen Risiken unterschieden. Für Produkte auf Schadenjahrbasis werden zusätzlich noch „nach dem Zeitraum“ abgedeckte Risiken betrachtet.


Ein pragmatischer Ansatzpunkt zur Ermittlung der versicherungstechnischen Zahlungsströme können die Werte aus S.05.01 sein. Allerdings weist EIOPA darauf hin, dass die Werte in S.05.01 aus der Sicht der Rechnungslegung zu ermitteln sind, wohingegen S.29.04 auf Basis einer Solvency II-Bewertung auszufüllen ist.


Fazit

Die erstmalige Befüllung der QRTs zur Veränderungsanalyse in der kommenden Jahresmeldung kann eine Herausforderung darstellen, denn einige Datenfelder erfordern Informationen, die nicht unmittelbar in den Vorsystemen vorhanden sein dürften. Außerdem lassen die regulatorischen Vorgaben an verschiedenen Stellen Interpretationsspielraum, obwohl EIOPA Mitte 2017 noch zusätzliche Explanatory Notes (EIOPA-17-403) herausgegeben hat. Darin sind zumindest einige Beispiele zur Befüllung von S.29.03 und S.29.04 für die Schadenversicherung enthalten, die die Anforderungen konkretisieren.


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[1] Unter der Annahme, dass das Kalenderjahr dem Geschäftsjahr entspricht.


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